Bundestagswahlen 1957: Wie vor 60 Jahren Wahlkampf betrieben wurde

Den diesjährigen Wahlkampf und die Bundestagswahlen 2017 habe ich zum Anlass genommen, mich in unserem großen Archiv historischer Zeitungen umzuschauen. Dabei bin ich auf die Bundestagswahl von 1957 gestoßen. Diese fand vor genau 60 Jahren statt und war erst die dritte Wahl der neuen Bundesrepublik Deutschland. Dieses Jahr wählen die deutschen Bürger schon das 19. Mal einen neuen Bundestag. Im Unterschied dazu wählten 1957 nur die Westdeutschen einen Bundestag, der in Bonn und nicht in Berlin tagte.

Die zur Wahl stehenden Parteien waren die uns noch bekannten CDU, SPD und FDP. Sowie mittlerweile nicht mehr so gängige Parteien wie die DP (Deutsche Partei) oder die FDV (Freie Deutsche Volkspartei). Letztlich wurde der Wahlkampf vor allem zwischen den beiden größten Deutschen Parteien, der CDU und der SPD ausgetragen. Anders als heute, polarisierte dieser Wahlkampf durchaus. Der damalige Bundeskanzler und Spitzenkandidat der CDU Konrad Adenauer strebte eine dritte Amtszeit an. Sein Kontrahent war Erich Ollenhauer von der SPD. Die Unbekanntheit dieses Namens verrät schon, dass Adenauer die Wahl 1957 gewinnt.

Ein polarisierender Wahlkampf

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Aus dem Spiegel 11.09.1957

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Aus dem Spiegel vom 11.09.1957

Ein Spiegelartikel zum Wahlkampf beschreibt die Wahlkampfposition der CDU und Adenauers: So gehe es bei der Wahl darum, ob Deutschland christlich bleibe oder kommunistisch werde. Der Artikel zitiert Adenauer mit folgender Wahlkampfrede: „Wir werden dafür sorgen, dass die SPD niemals an die Macht kommt. […] wir sind dazu so fest und bis zutiefst entschlossen, weil wir glauben, daß mit einem Sieg der Sozialdemokratischen Partei der Untergang Deutschlands verknüpft ist.“ (Spiegel 11.09.1957, S.15)

Der Artikel lässt durchblicken, dass Adenauer genau weiß, wie er den Wahlkampf zu gestalten hat. Er zieht durch Deutschland mit der Vorankündigung: „Er kommt.“ Eine winkende und begeisterte Menge begleitet seine Ortsbesuche. „Ungute Erinnerungen an frühere Zeiten lassen sich oft nicht unterdrücken angesichts dieser Massen.”, schreibt der Spiegel dazu. Zudem trägt Adenauer seine Wahlkampfreden in Festzelten aus, für die die Bürger Eintrittskarten brauchen. Dadurch werde verhindert, dass große Gruppen politischer Gegner anwesend sind.

Letztlich polarisiert der Wahlkampf vor allem durch gegensätzliche Positionen in der Außenpolitik: Adenauer, der für seine Annäherung an den Westen bekannt ist, möchte diese weiter ausführen. Die SPD dagegen plant für ihre Außenpolitik eine Annäherung an Russland, um die Wiedervereinigung voranzutreiben. Dazu will sie die Abrüstung der Atomwaffen beginnen, die laut CDU nur über die Nato möglich ist.

 

Personalisierter Wahlkampf rund um Adenauer

Im weiteren Verlauf des Wahlkampfs holt Adenauer laut Spiegel weiter aus: So hoffe er bald wieder eine gute sozialdemokratische Partei in Deutschland zu haben, für die er sich vor dem Ausland nicht schämen müsse. Und, dass nicht alle Sozialdemokraten hinter den unmöglichen Ideen ihrer Führung stünden. Was hier als Annäherung an die SPD gesehen werden kann, zeugt eigentlich von großer Respektlosigkeit.
Der vorliegende Spiegelartikel betreibt auf der einen Seite eine kritische Auseinandersetzung mit Adenauer. Auf der anderen Seite berichtet dieser nur über Adenauer, seinen Wahlkampf und seine politische Haltung – nicht über die SPD und ihren Wahlkampf. Auch viele andere Zeitungsartikel stellen bevorzugt Adenauers Haltung dar. Interessant ist vor allem, dass der Wahlkampf schon vor 60 Jahren stark personalisiert war. Natürlich ging es vornehmlich um Adenauers Politik, aber eben auch um seine Person an sich. Auseinandersetzungen über seinen gesundheitlichen Zustand, mit der Behauptung der SPD er nehme Verjüngungsdrogen, erinnert an eine ähnliche Debatte zwischen Trump und Clinton letztes Jahr.

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Badische Zeitung vom 16.09.1957

Letztlich gelingt es der CDU die absolute Mehrheit im Bundestag zu bekommen mit 270 von 497 Sitzen. Aber auch die SPD gewinnt an Sitzen in der Opposition. Für uns bleibt die Bundestagswahl am 24.09.2017 abzuwarten, welche Vergleiche wir nach den Ergebnissen wohl noch mit der Wahl von 1957 ziehen können.

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