Kontaktanzeigen – ein Relikt aus vergangener Zeit?

Für einen gemütlichen Abend mit Freunden hatten wir ein Spiel mitgebracht, das uns zeigen sollte, wie gut wir uns kennen. Es bestand aus vielen persönlichen Fragen. Bei einer der Fragen stockte meine Freundin: „Hast du schon mal eine Kontaktanzeige aufgegeben?“ Grinsend schaute sie in die Runde: „Die gibt es ja wohl nicht mehr. Sollen wir nicht eher danach fragen, ob du schon einmal getindert hast?“

Ist die klassische Kontaktanzeige ein Relikt aus vergangenen Zeiten? Letztlich stimmt es ja, dass Profile auf Onlinedating Portalen und Partnerbörsen die alten Kontaktanzeigen sehr gut ersetzen. Nicht nur, dass lediglich suchende Singles in den Börsen unterwegs sind, auch die Möglichkeit Bilder hochzuladen und sich in diversen Facetten ausführlich zu beschreiben, schlagen die herkömmlichen Kontaktanzeigen um Längen.

Trotzdem schade um die klassischen Kontaktanzeigen in Zeitungen, die für jeden Zeitungsleser einsehbar sind und lange Zeiten überdauern. Gerade in meiner Zeit als Jugendliche erinnere ich mich an verlegen, amüsiertes Durchschauen von Kontaktanzeigen. Witzig ist es eigentlich immer. Das gilt vor allem für die Kontaktanzeigen in den historischen Zeitungen und Zeitschriften aus unserem Archiv.

Kontaktanzeigen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Da schlage ich eine 60 Jahre alte Frankfurter Allgemeine Zeitung auf und finde die Kontaktanzeigen unter der Überschrift: „weitere Ehewünsche“. Beim schnellen Überlesen fallen gleich drei Anzeigen ins Auge, die für Töchter oder Nichten (ohne deren Wissen) geschaltet wurden. Andere brüsten sich in den Überschriften Lehrer- oder Kaufmannstochter zu sein. In den Anzeigen fällt auf, dass sich einige der Suchenden als aus „erstem Kreise“ oder „gutem Kreise“ bezeichnen. Wichtig scheint auch zu sein, dass der neue Partner aus „besten Verhältnissen“ kommt. Besonders direkt schreibt der Diplom Chemiker, dass er seiner jungen Dame für die „Neigungsehe“ eine „gute Aussteuer“ wünsche. Gleich relativiert er aber – „Kapital sei keine Bedingung“. Na wenn das so ist…

Lustig ist folgende Selbstbeschreibung: kein ‚trockener‘ Jurist, nicht unvermögend und vor allem nicht unansehnlich – dann steht dem ganzen ja nichts mehr im Weg J. Der wünscht sich von den Interessentinnen ein ungekünsteltes Foto und eine Größenangabe.

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Aus der FAZ vom 14.09.1957

 

FrankfurterAllgemeineDiplCh

Aus der FAZ vom 14.09.1957

FrankfurterAllgemeineUnsere

Aus der FAZ vom 14.09.1957

Kontaktanzeigen aus der Bravo

In einer 40 Jahre alten Bravo suchen Jugendliche und junge Erwachsene im „Treffpunkt“ nach Brieffreundschaften. Das 14- jährige Wassermann Girl sucht hier viele Boys „zwecks Federkrieg“. Der 20 Lenze alte Bundeswehrsoldat ist „an fast allem interessiert“. Ist ja auch ganz schön einsam in einer Kaserne… Ob das zwölf-jährige „Süße Kätzchen“ oder die 16-jährige Pferdenärrin, alle freuen sich über Massen von Briefen. Besonders beachtlich: Bei den Kontaktanzeigen sind die Adressen der Jugendlichen angezeigt – ziemlich undenkbar zum jetzigen Zeitpunkt. Nachrichten bei Whatsapp und Facebook sind nicht nur bequemer, sie kommen meistens nicht von völlig Fremden.

Bravo-KontanktanzeigenKaser

Aus der Bravo vom 08.06.1977

Bravo-Kontanktanzeigen

Aus der Bravo 08.06.1977

 

 

 

 

 

 

 

 

Ob sich die Kontaktanzeigen von Menschen, die ihre gute Herkunft und ihren akademischen Grad betonen, so sehr von Elitepartner und Co. unterscheiden, ist fraglich. Und obwohl die Kontaktanzeigen natürlich amüsant sind, ist es etwas unhöflich sich darüber lustig zu machen. Da gönnt man den Suchenden doch den geschützteren Rahmen für ihre Gesuche in geschlossenen Internetportalen und Partnerbörsen…

 

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