Das Attentat auf Malcolm X im historischen Pressespiegel

„Er predigte Haß und er erntete Haß“*

* (Die Welt, 23.02.1965) Am 21. Februar 1965 wurde der schwarze Bürgerrechtler Malcolm X – geboren im Jahr 1925 als Malcolm Little – während eines Vortrages im New Yorker Schwarzenviertel Harlem ermordet. Im Gedächtnis geblieben ist er als absolut kompromissloser Kämpfer für die Rechte der Schwarzen: Malcolm X lehnte Martin Luther Kings Gewaltlosigkeit ab und verachtete die weiße Gesellschaft Amerikas. Wir haben in unserem Zeitungsarchiv recherchiert und stellen Euch hier Malcolm X‘ bewegtes, kurzes Leben und die Berichterstattung zu seiner Ermordung vor fünfzig Jahren vor.

Malcolm X (1925 – 1965)

Nach einer schwierigen Kindheit und Jugend – der Vater starb früh, die Mutter wurde in die Psychiatrie eingewiesen und Malcolm wuchs bei einer Pflegefamilie auf – wurde Malcolm Little schon früh mit dem ungerechten System der Rassentrennung in Amerika konfrontiert: Nach der Highschool durfte er als Schwarzer nicht studieren. Der jugendliche Malcolm begann sich zu radikalisieren und legte als Zeichen seiner Verachtung der weißen Vorherrschaft seinen Nachnamen ab und nannte sich fortan Malcom X. Gleichzeitig forderte er alle Afroamerikaner auf, „das gleiche zu tun, weil diese Namen von den weißen Sklavenhaltern gegeben worden seien.“ (Die Welt 23.02.1965). Malcolm X rutschte ins kriminelle Milieu ab, was 1946 zu einer mehrjährigen Haftstrafe führte. Während dieser Zeit kam Malcolm X in Kontakt mit der „Nation of Islam“, einer religiös-politischen Organisation schwarzer US-Amerikaner. Als Sprecher dieser Vereinigung kritisierte Malcolm X nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 1952 öffentlich  den Rassismus in Amerika und etablierte sich als Fürsprecher eines schwarzen Nationalismus und „unbarmherzigen Rassenkampfes“ (ZEIT 26.02.1965). Im Lauf der Zeit distanzierte Malcolm X sich zusehends von der „Nation of Islam“ und gründete die Vereinigung „Muslim Mosque Inc.“ Obwohl er von da an unter Polizeischutz stand, kam es am 21. Februar 1965 zu den tödlichen Schüssen auf ihn. Wie lief der Abend des Attentats auf Malcolm X ab? Wir zeichnen die Ereignisse anhand damaliger Zeitungsberichte für Euch nach!

312389_web_R_K_by_arkadius neumann_pixelio.de

© arkadius neumann / pixelio.de

„‘Brüder‘ rief er – dann trafen ihn die Kugeln“*

*(Süddeutsche Zeitung 23.02.1965) Große deutsche Tageszeitungen berichteten über die Ereignisse des Abends und das Attentat, das „mit perfekter Kaltblütigkeit begangen“ worden war (Bildzeitung 23.02.1965): „Am Sonntagabend hatte er gerade das Podium (…) betreten und die etwa 500 Teilnehmer mit den Worten „Brüder und Schwestern“ begrüßt, als im Saal ein Tumult provoziert wurde und in schneller Folge mehrere Schüsse auf ihn abgegeben wurden. Malcolm X sank, von einem Dutzend Kugeln durchbohrt, blutüberströmt vor den Augen seiner Frau zusammen. Seine Leibwächter vermochten ihn nicht zu schützen. Er wurde in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Die sofort eingeleitete Herzmassage hatte jedoch keinen Erfolg mehr.“ (Süddeutsche Zeitung 23.05.1965)

Wer waren Malcolm X‘ Mörder?

„Die New Yorker Polizei erklärte am Montag, daß die Mörder von Malcom X wahrscheinlich in den Reihen der Black-Muslim-Bewegung zu suchen seien. Mindestens fünf Personen sollen nach Angaben der Polizei an der Schießerei beteiligt gewesen sein.“ (Süddeutsche Zeitung 23.05.1965) Schon „unmittelbar nach dem Meuchelmord hat die New Yorker Polizei zwei Farbige verhaftet. (…) Einer von ihnen (…) wurde bei dem Mordanschlag selbst verletzt und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden.“ (Bild 23.02.1965) Drei Schwarze wurden schließlich festgenommen und verstrickten sich in den Jahren nach dem Attentat in Geständnisse, Widerrufungen und Widersprüche. Bis heute ist damit das Mordkomplott gegen Malcolm X nicht wirklich aufgeklärt – wer waren die Hintermänner, was waren die Motive? Malcolm X selbst hatte kurz vor seinem Tod die „Black Muslims“ verdächtigt, „sie trachteten ihm nach dem Leben“ (ZEIT 26.02.1965) und einem Reporter der New York Times gesagt: „Ich lebe wie ein Mann, der schon tot ist. Ich bin ein gezeichneter Mann. Ich fürchte mich nicht um meinetwillen, solange man meiner Familie nichts antut.“ (Bild 23.02.1965) Die ZEIT bilanzierte: „Er predigte zeitlebens Gewalt, und er endete durch Gewalt. Er haßte die Weißen und die Schwarzen töteten ihn. “

www.historia.net

Bildquelle: www.pixelio.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *